Ratgeber + kostenloses Werkzeug

Verlaufsplan erstellen – mit Rechner

Wie ein Verlaufsplan aufgebaut ist, wie du Zeiten realistisch planst und wie du prüfst, ob Einstieg, Erarbeitung und Sicherung im Verhältnis stehen.

6 Min. LesezeitStand: 29.10.20264 Quellen

Der Verlaufsplan ist der Teil des Entwurfs, den in der Nachbesprechung alle vor sich liegen haben. Er zeigt auf einen Blick, wie die Stunde gedacht ist: welche Phasen, wie lange, wer was tut, mit welchem Material. Und er ist der Teil, an dem formale Fehler am schnellsten auffallen, weil man sie nachrechnen kann.

Unten auf dieser Seite findest du einen Verlaufsplan-Rechner, der die Minuten summiert und die Verteilung anzeigt. Vorher geht es darum, was in die Tabelle gehört und wie du die Zeiten so planst, dass die Stunde auch in der Klasse aufgeht.

Welche Spalten ein Verlaufsplan braucht

Es gibt kein bundesweit einheitliches Raster. Die Seminare geben unterschiedlich viel vor. Das Studienseminar GHRF Darmstadt verlangt als Minimum nur die Spalte „Phase/Handlungsverlauf“ und nennt als optionale, fachabhängige Spalten zum Beispiel erwartetes Sprachverhalten, Arbeits- und Sozialform sowie Medien und Material. In der Praxis haben sich diese Spalten durchgesetzt:

SpalteWas hineingehört
ZeitMinuten pro Phase oder Uhrzeit von–bis. Minuten sind leichter nachzurechnen.
PhaseFunktion im Lernprozess: Einstieg, Erarbeitung, Sicherung, Vertiefung, Transfer, Reflexion …
UnterrichtsgeschehenWas passiert, getrennt nach Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern, mit erwarteten Schüleräußerungen bei zentralen Impulsen.
SozialformPlenum, Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit.
Medien/MaterialWas eingesetzt wird, mit Verweis auf den Anhang (z. B. „M2“).
Ziel/KommentarWelches Teilziel die Phase bedient, didaktische Kurzbegründung, Differenzierung.

Wenn dein Seminar weniger verlangt, nimm trotzdem die Zielspalte mit. Sie zwingt dich, jede Phase einem Ziel zuzuordnen, und genau diese Zuordnung wird in der Nachbesprechung oft gefragt.

Phasenmodelle: Einstieg, Erarbeitung, Sicherung

Die meisten Verlaufspläne folgen einem Grundmuster aus drei Schritten. Hilbert Meyer beschreibt diesen methodischen Grundrhythmus als Einstieg, Erarbeitung und Ergebnissicherung. Fachdidaktiken und Seminare verfeinern ihn mit eigenen Begriffen, zum Beispiel:

  • Einstieg (auch Hinführung, Problematisierung, Motivation): Die Frage oder das Problem der Stunde entsteht. Ziel ist Orientierung, nicht Unterhaltung.
  • Erarbeitung (eventuell in mehreren Teilen): Die Schülerinnen und Schüler arbeiten am Gegenstand. Hier entsteht das, was das Stundenziel beschreibt.
  • Sicherung (Ergebnissicherung, Präsentation, Auswertung): Ergebnisse werden zusammengetragen, korrigiert, festgehalten.
  • Vertiefung, Übung oder Transfer: Das Gelernte wird angewendet, oft auf eine neue Situation.
  • Reflexion (Metakognition, Rückblick auf die Ausgangsfrage): Was haben wir gelernt, wie sind wir vorgegangen?

Welche Bezeichnungen du verwendest, entscheidet dein Seminar oder deine Fachdidaktik. Wichtiger als der Name ist, dass die Funktion der Phase klar ist. Eine Phase „Erarbeitung II“, in der nur Ergebnisse vorgelesen werden, ist eigentlich eine Sicherung.

Zeiten realistisch planen

Zeitplanung ist der Punkt, an dem Entwürfe und echte Stunden am weitesten auseinanderliegen. Ein paar Regeln aus der Praxis:

  1. Die Summe muss exakt stimmen. 45 Minuten heißt 45, nicht 47 und nicht 40 „plus Puffer“. Wenn du Puffer brauchst, plane ihn als eigene, optionale Phase.
  2. Übergänge kosten Zeit. Material austeilen, Gruppen bilden, Raum umstellen, Geräte starten: rechne pro Wechsel der Sozialform zwei bis drei Minuten, in jüngeren Klassen eher mehr.
  3. Arbeitsaufträge selbst lösen und stoppen. Deine eigene Bearbeitungszeit mal zwei bis drei ist für viele Lerngruppen ein brauchbarer erster Richtwert.
  4. Die Sicherung nicht als Restzeit behandeln. Wenn eine Stunde knapp wird, fällt sonst genau die Phase weg, in der das Ziel sichtbar werden soll.
  5. Didaktische Reserve und Kürzungsoption angeben. Was lässt du weg, wenn die Zeit nicht reicht? Was machst du, wenn eine Gruppe früher fertig ist? Beides gehört in den Entwurf, nicht erst in die Nachbesprechung.
Faustregel

Einstieg kurz, Erarbeitung lang, Sicherung geschützt. Als grobe Orientierung für eine 45-Minuten-Stunde: Einstieg etwa 5 bis 8 Minuten, Erarbeitung etwa die Hälfte der Zeit, Sicherung mindestens 8 bis 10 Minuten. Das ist kein Gesetz. Eine Übungsstunde oder eine Stunde mit Präsentationen sieht anders aus, und das darfst du begründen.

Kostenloses Werkzeug · läuft nur in deinem Browser

Verlaufsplan-Rechner

Trag deine Phasen und Minuten ein. Der Rechner zeigt Summe, Restzeit und wie sich die Zeit auf Einstieg, Erarbeitung und Sicherung verteilt. Es wird nichts gespeichert oder übertragen.

0′geplant
45′noch frei
0Phasen
EinstiegErarbeitungSicherungVertiefung/ÜbungOrganisation/Sonstiges

    Die Hinweise sind Faustregeln, keine Vorgaben. Was für deine Stunde richtig ist, hängt von Ziel, Fach und Lerngruppe ab.

    Beispiel: 45 Minuten, Mathematik Klasse 6

    Thema der Stunde: Brüche am Kreis vergleichen. Stundenziel: Die Schülerinnen und Schüler können zwei Brüche mit unterschiedlichen Nennern mithilfe von Kreisdarstellungen vergleichen und ihre Entscheidung begründen.

    ZeitPhaseUnterrichtsgeschehenSozialformMedienZiel
    6′EinstiegL zeigt zwei Pizzastücke (3/8 und 2/5) auf Folie, Impuls: „Wer hat mehr?“ SuS äußern Vermutungen, Abstimmung per Handzeichen.PlenumFolie M1Problemfrage
    3′ÜberleitungArbeitsauftrag, Austeilen der Kreisschablonen, Partner zuweisen.PlenumM2–
    16′ErarbeitungSuS zeichnen beide Brüche in Kreise, vergleichen, notieren Begründung. Tippkarten für Gruppen, die nicht weiterkommen; Zusatzaufgabe mit drei Brüchen.PAM2, Tippkarten M3TZ 1, TZ 2
    12′SicherungZwei Paare mit unterschiedlichen Wegen stellen vor, Vergleich der Strategien, Merksatz an der Tafel.PlenumDokumentenkamera, TafelTZ 2
    8′Übung/TransferDrei Vergleichsaufgaben ohne Kreis, Kontrolle am Lösungsblatt; Rückbezug auf die Ausgangsfrage.EAAB M4TZ 3
    Summe 45′ · Kürzungsoption: Übung als Hausaufgabe · Reserve: Aufgabe mit drei Brüchen

    Beachte: Die Überleitung ist eine eigene Zeile. Das macht sichtbar, dass Organisation Zeit kostet, und schützt die Erarbeitung. Jede Zeile ist einem Teilziel zugeordnet oder bewusst als organisatorisch markiert.

    Doppelstunde und 60-Minuten-Takt

    In 90 Minuten reicht ein einziger Bogen aus Einstieg, Erarbeitung und Sicherung meist nicht. Plane zwei Lernschleifen mit Zwischensicherung oder eine längere Erarbeitung mit Arbeitsphasenwechsel. Schulen mit 60-Minuten-Takt verschieben vor allem die Erarbeitung, die Einstiegsphase wird nicht automatisch länger. Im Rechner kannst du jede Stundenlänge einstellen.

    Offene Formen: Stationen, Lerntheke, Projektphasen

    Bei Stationenlernen oder freier Arbeit stößt das klassische Raster an seine Grenzen, weil nicht alle Schülerinnen und Schüler zur selben Zeit dasselbe tun. Trotzdem braucht auch diese Stunde einen Verlaufsplan. Bewährt hat sich:

    • Die gemeinsamen Phasen (Einstieg, Organisation, Sicherung) wie gewohnt mit Minuten planen.
    • Die offene Arbeitsphase als einen Block mit Gesamtzeit eintragen und darunter oder im Anhang eine Übersicht der Stationen anlegen: Ziel, Material, Pflicht oder Wahl, geschätzte Bearbeitungszeit.
    • In der Kommentarspalte festhalten, was du während der Arbeitsphase tust: welche Gruppe du zuerst besuchst, was du beobachtest, wann du ein Zwischensignal gibst.
    • Die Sicherung besonders genau planen. Wenn alle an Unterschiedlichem gearbeitet haben, muss klar sein, welches gemeinsame Ergebnis am Ende steht.

    Für Projektphasen über mehrere Stunden genügt im Entwurf meist ein Überblick über die Sequenz und ein ausführlicher Plan für die besuchte Stunde. Mach in der Einordnung deutlich, an welchem Punkt des Projekts die Stunde steht.

    So formulierst du die Spalte „Unterrichtsgeschehen“

    • Schreib im Präsens und konkret: „L präsentiert Bild M1 und fragt: …“ statt „Bildimpuls“.
    • Trenne Lehrer- und Schülerhandeln, entweder in zwei Spalten oder mit „L:“ und „S:“.
    • Notiere bei zentralen Impulsen die erwarteten Antworten. Das zeigt, dass du die Lerngruppe einschätzen kannst, und hilft dir in der Stunde.
    • Verweise auf Material im Anhang mit Kürzeln (M1, M2), statt es im Plan zu beschreiben.
    • Kennzeichne Differenzierung dort, wo sie passiert, nicht nur in der Begründung.

    Häufige Fehler im Verlaufsplan

    • Die Summe stimmt nicht oder wurde nach Änderungen nicht neu gerechnet.
    • Die Sicherung ist zwei Minuten lang oder fehlt.
    • Ein Teilziel aus dem Zielteil taucht in keiner Phase auf.
    • Phasen sind nach Tätigkeit benannt („Arbeitsblatt“) statt nach Funktion („Erarbeitung“).
    • Keine Kürzungsoption, keine Reserve.
    • Der Verlaufsplan widerspricht der methodischen Begründung, zum Beispiel Gruppenarbeit im Text, Einzelarbeit im Plan.

    Die ersten drei Punkte kannst du mit dem Rechner oben selbst prüfen. Der kostenlose Kurzcheck von Entwurfsreif liest den Verlaufsplan direkt aus deiner Word- oder PDF-Datei, rechnet die Summe nach und prüft die Reihenfolge der Phasen.

    Entwurf fertig? Lass ihn prüfen, bevor die Fachleitung es tut.

    Der Kurzcheck ist kostenlos und sofort da: Zeitsumme, Phasen, Gliederung, Seitenzahl. Die vollständige Prüfung kostet 4,99 € pro Entwurf, ohne Abo.

    Weiterlesen