Wenn Fachleitungen über einen Entwurf sprechen, sprechen sie meistens über die didaktische Begründung. Hier steht, warum du genau diesen Inhalt, in genau diesem Zuschnitt, für genau diese Lerngruppe ausgewählt hast. Ein Verlaufsplan zeigt, was passiert. Die Begründung zeigt, dass du weißt, warum.
Das Studienseminar GHRF Darmstadt fasst die Aufgabe in einer Frage zusammen: „Warum mache ich was für wen?“ Zur Begründung gehören dort die Auswahl des Lerngegenstands für die Lerngruppe, die gewählten Differenzierungsmaßnahmen, Verweise auf Literatur und Querverweise zur Analyse der Lernvoraussetzungen. Das ist eine gute Arbeitsdefinition für jedes Seminar.
Didaktisch oder methodisch?
Viele Entwürfe vermischen die beiden Begründungen, und dann wird beides dünn. Eine einfache Trennung:
| Didaktische Begründung | Methodische Begründung | |
|---|---|---|
| Leitfrage | Warum mache ich was für wen? | Wie mache ich was für wen? |
| Gegenstand | Inhalt, Auswahl, Schwerpunkt, Reduktion, Ziel | Methoden, Sozialformen, Medien, Phasierung |
| Typische Fragen | Was ist an diesem Inhalt bedeutsam? Was lasse ich weg? Auf welchem Niveau? | Warum Partnerarbeit statt Plenum? Warum dieses Material? Welche Alternativen habe ich verworfen? |
Wenn dein Seminar nur eine gemeinsame „didaktisch-methodische Begründung“ verlangt, behalte die Reihenfolge trotzdem bei: erst das Was, dann das Wie.
Die klassischen Leitfragen nach Klafki
Wolfgang Klafki hat 1958 mit der „Didaktischen Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung“ fünf Fragen formuliert, mit denen sich der Bildungsgehalt eines Inhalts erschließen lässt. Später hat er sie in seiner kritisch-konstruktiven Didaktik erweitert. Für den Entwurf sind die ursprünglichen Fragen nach wie vor ein brauchbares Gerüst, solange du sie auf deine Lerngruppe beziehst und nicht abhakst:
- Exemplarische Bedeutung: Wofür steht dieser Inhalt? Welches allgemeinere Prinzip, welcher Zusammenhang lässt sich an ihm verstehen?
- Gegenwartsbedeutung: Welche Rolle spielt der Inhalt schon jetzt im Leben deiner Schülerinnen und Schüler?
- Zukunftsbedeutung: Wofür werden sie das später brauchen, in der Schule und darüber hinaus?
- Struktur des Inhalts: Aus welchen Elementen besteht er, was ist zentral, was baut worauf auf?
- Zugänglichkeit: Über welche Fälle, Phänomene, Situationen wird der Inhalt für diese Gruppe fassbar und interessant?
Fünf Absätze mit den Überschriften „Gegenwartsbedeutung“, „Zukunftsbedeutung“ und so weiter, gefüllt mit Sätzen, die für jede Klasse Deutschlands gelten. Das zeigt, dass du Klafki kennst, aber nicht, dass du deine Stunde begründen kannst. Nutze die Fragen zum Nachdenken und schreib die Antworten, die für deine Gruppe gelten.
Didaktische Reduktion: was du weglässt
Jede Stunde ist eine Auswahl. Die Sachanalyse zeigt, wie groß der Gegenstand ist. Die didaktische Begründung zeigt, welchen Ausschnitt du wählst und wie du ihn vereinfachst, ohne fachlich falsch zu werden. Gute Reduktion ist begründet und benannt:
- Was wird ausgeklammert? (z. B. negative Brüche, die chemische Gleichung der Fotosynthese, die Vorgeschichte des Mauerbaus vor 1958)
- Warum? (Lernvoraussetzungen, Stellung in der Einheit, Zeit)
- Wo wird es später aufgegriffen?
- Bleibt die vereinfachte Darstellung anschlussfähig, oder baut sie eine Fehlvorstellung auf, die später korrigiert werden muss?
Eine Fachleitung wird eine benannte Reduktion fast immer akzeptieren. Eine unbenannte Lücke wird in der Nachbesprechung zur Frage „Warum haben Sie … nicht thematisiert?“.
Ein Aufbau, der trägt
Für eine Begründung von ein bis zwei Seiten hat sich diese Reihenfolge bewährt:
- Einordnung: Lehrplanbezug in einem Satz (welche Kompetenz, welcher Inhaltsbereich), Stellung der Stunde in der Einheit.
- Bedeutung für diese Lerngruppe: Warum dieser Inhalt jetzt, mit Bezug auf das, was die Gruppe kann und braucht.
- Schwerpunkt und Reduktion: Was steht im Zentrum, was nicht, und warum.
- Zugang: Über welchen Fall, welches Problem, welches Material wird der Inhalt zugänglich?
- Zielniveau und Differenzierung: Welches Anforderungsniveau wählst du, und wie gehst du mit Unterschieden in der Gruppe um?
- Erwartete Schwierigkeiten: Wo werden die Schülerinnen und Schüler hängen bleiben, und wie fängst du das auf?
Jeder dieser Punkte sollte sich auf eine Aussage in der Analyse der Lernvoraussetzungen stützen. Setz ruhig Querverweise („vgl. Kap. 2“). Die Darmstädter Handreichung nennt sie ausdrücklich.
Beispielabsatz: vorher und nachher
Ein Ausschnitt aus einer Begründung für eine Biologiestunde in Klasse 7 zur Fotosynthese. Die Fassung „vorher“ ist typisch für einen ersten Entwurf.
Die Fotosynthese ist einer der wichtigsten Prozesse auf der Erde, da sie die Grundlage für fast alles Leben bildet. Sie ist im Lehrplan verankert und für die Schülerinnen und Schüler von großer Bedeutung, da sie in ihrer Lebenswelt ständig Pflanzen begegnen. Zudem ist das Thema auch für spätere Klassenstufen relevant.
In der vorangegangenen Stunde haben die meisten Schülerinnen und Schüler die Vermutung geäußert, Pflanzen nähmen ihre Nahrung „aus der Erde“ auf (vgl. Kap. 2). Diese Vorstellung ist der Ausgangspunkt der Stunde: Der Stärkenachweis an teilweise abgedunkelten Blättern stellt sie in Frage, ohne dass dafür die chemische Gleichung nötig ist, die erst in Klasse 9 behandelt wird. Die Stunde beschränkt sich deshalb auf die Abhängigkeit der Stärkebildung vom Licht (Lehrplanbezug: …). Da die Gruppe Versuchsprotokolle bisher nur mit Vorlage geschrieben hat, erhalten alle eine Protokollstruktur; die schnelleren Paare formulieren zusätzlich eine eigene Hypothese zur Rolle des Kohlenstoffdioxids.
Was den zweiten Absatz besser macht: Er bezieht sich auf eine beobachtete Fehlvorstellung, benennt die Reduktion und ihren Grund, verbindet den Zugang (Versuch) mit dem Ziel und begründet die Differenzierung mit einer konkreten Lernvoraussetzung. Keiner seiner Sätze würde so in einem Entwurf für eine andere Klasse stehen.
Den Lehrplanbezug richtig herstellen
Der Lehrplanbezug gehört in die Begründung, aber er trägt sie nicht. Ein guter Bezug ist kurz und genau: Welche Kompetenz oder welcher Inhaltsbereich des Kerncurriculums, Bildungsplans oder Lehrplans deines Landes wird in der Stunde angebahnt, und in welcher Jahrgangsstufe ist er verortet? Nenne die Fundstelle so, dass sie jemand nachschlagen kann. Dann folgt der eigentliche Teil: Warum du aus den Möglichkeiten, die der Lehrplan lässt, genau diesen Zugang gewählt hast.
Lehrpläne lassen in der Regel viel Spielraum bei Auswahl, Reihenfolge und Methoden. Genau diese Spielräume musst du begründet füllen. Ein Satz wie „Der Lehrplan sieht das Thema in Klasse 7 vor“ beantwortet nur, warum das Thema überhaupt dran ist, nicht warum deine Stunde so aussieht, wie sie aussieht.
Differenzierung begründen
Differenzierung gehört nach den Darmstädter Vorgaben ausdrücklich zur didaktischen Begründung. Das heißt nicht, alle Maßnahmen aufzuzählen, sondern zu erklären, auf welche Unterschiede in der Gruppe sie reagieren. Drei Fragen helfen:
- Worin unterscheiden sich die Schülerinnen und Schüler bezogen auf diese Stunde? (Vorwissen, Lesetempo, Sprache, Arbeitsweise)
- Woran erkennst du das? (Diagnose aus vorherigen Stunden, Lernstandserhebung, Beobachtung)
- Wie reagiert die Planung darauf, ohne das gemeinsame Ziel aufzugeben? (gestufte Hilfen, Zusatzaufgaben, unterschiedliche Zugänge)
Je konkreter die Diagnose, desto überzeugender die Maßnahme. „Für leistungsschwächere SuS gibt es Tippkarten“ ist schwächer als „Vier Schülerinnen und Schüler haben in der Lernstandserhebung Brüche noch nicht am Kreis dargestellt. Für sie liegen Tippkarten mit einer vorgezeichneten Einteilung bereit.“
Sprache und Literatur
- Konkret statt allgemein: „Die Hälfte der Gruppe …“ statt „Viele Schülerinnen und Schüler …“, wenn du es weißt.
- Begründen statt behaupten: Ein „da“ oder „weil“ pro Entscheidung.
- Fachdidaktische Literatur gezielt einsetzen: eine Quelle, die eine Entscheidung stützt, ist mehr wert als fünf, die den Gegenstand allgemein beschreiben.
- Keine Lehrplanzitate als Begründung: Dass etwas im Lehrplan steht, erklärt, dass du es unterrichtest, nicht wie und warum so.
- KI-Hilfe kennzeichnen: Wenn du dir Formulierungen oder Gliederungsideen von einem KI-Werkzeug hast vorschlagen lassen, gehört das nach den Regeln vieler Seminare ins Hilfsmittelverzeichnis. Siehe KI im Referendariat.
So prüfst du deine Begründung
- Streich jeden Satz, der auch in einem fremden Entwurf stehen könnte. Was bleibt übrig?
- Hat jede wichtige Entscheidung im Verlaufsplan (Einstieg, Material, Sozialform, Differenzierung) einen Grund in der Begründung?
- Stützt sich jede Begründung auf eine Aussage zu den Lernvoraussetzungen?
- Ist die Reduktion benannt?
- Passt das Zielniveau zu dem, was du über die Gruppe geschrieben hast?
Die vollständige Prüfung von Entwurfsreif stellt dir zu genau diesen Punkten Fragen, mit Fundstellen in deinem Text. Sie formuliert keine Absätze für dich, denn die Begründung ist der Teil, an dem deine eigene Leistung am deutlichsten sichtbar wird.
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Der Kurzcheck ist kostenlos und sofort da: Zeitsumme, Phasen, Gliederung, Seitenzahl. Die vollständige Prüfung kostet 4,99 € pro Entwurf, ohne Abo.
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